Interview mit Irmgard Joos Zeitschrift "Impulse"

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BLICK INS HANDELSREGISTER Täglich wagen Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit.

Im Handelsregister finden sich die Geburtsurkunden ihrer Firmen. impulse stellt jeden Monat eine

Gründung vor. Dieses Mal: Eine Holzexpertin bringt Upcycling in die Baubranche

 

Text: Olivia Samnick Foto: Rolf Schultes

Quelle: www.impulse.de
Juni 2021

 

 

 

Frau Joos, Sie entwerfen und bauen mit Ihrem Unternehmen upTrulli Häuser

aus alten Silos. Wie darf man sich das vorstellen?

Unsere Bauten sehen am Ende aus wie Minihäuser. Der kleinste Bau ist 45 m² groß und lässt sich auch dort aufstellen, wo für ein normales Haus kein Platz ist. Unser Konzept erinnert damit an Tiny Houses, also an Wohnen auf kleinem Raum, ohne auf den Komfort von Küche und Bad zu verzichten. Das ist ein immer größer werdender Trend. Um den Trend geht es uns aber gar nicht primär.

 

Worum dann?

Der Fokus liegt auf Upcycling: Wir wollen altem Material einen neuen Nutzen zuführen und verwenden schöne runde Formen, die an italienische Rundbauten, sogenannte Trulli, erinnern. Daher auch der Name: upTrulli.

 

Was macht Ihre Trulli so besonders?

Wir arbeiten absolut ökologisch, indem wir alte, ausgediente Hochsilos verwenden. Dann gehen wir wie die alten Baumeister ran: Wir arbeiten etwa mit Lehm und Holz. Die Trulli stehen dann auf Stelzen ohne Bodenversiegelung. Das schont die Natur.

 

Klingt aufwendig.

Ja, aber es lohnt sich. Die Bauten sind langlebig und können an die jeweilige Bauumgebung angepasst werden. Am Ende soll unser kleinstes Haus, das Modell Himmelschrofen, um die 150˜000 Euro kosten.

 

Wie kamen Sie auf die Idee für upTrulli?

Die hatte mein Partner Armin. Ihm sind die leer stehenden Silos bei den Landwirten in der Umgebung aufgefallen, und er dachte sich: Mensch, da lässt sich doch was tun.

Die Silos könnten etwa zu Ferienwohnungen oder Wohnungen für Arbeiter umfunktioniert werden. Wir haben dann mit Klopapierrollen Modelle gebaut, wie solche Häuser aus Silos aussehen könnten.

 

Von der Klopapierrolle zur Baufirma?

(lacht) So in etwa. Wir mussten uns erst als Team zusammenfinden. Gerade arbeiten wir alle noch im Nebenberuf und hatten jetzt in der Pandemie regelmäßig Freitagabend unser Videogruppenmeeting. Armin ist unser Bauingenieur und hat, genau wie unser Architekt Matthew, einen Fokus auf Denkmalschutz. Dazu kam Christian, unser Vertriebsexperte. Ich kümmere mich ums Kaufmännische und die Gestaltung – etwa

die Innenausstattung. Wir sind alle vier Gesellschafter.

 

Was hilft Ihnen beim Firmenaufbau?

Dass mich gute Ideen schnell begeistern. Und: Mit meinem verstorbenen Mann habe ich einen Holzhandel mit Sägewerk aufgebaut und viel gelernt. Die Firma musste ich nach seinem Tod auflösen. Viele wertige Restprodukte sind übrig geblieben. Aber: Das Altholz dient uns nun für die Trulli.

 

Worauf sind Sie besonders stolz?

Teil eines Teams zu sein, das eine Philosophie teilt, und alle im Boot zu halten. Das ist bei vier Leuten gar nicht so einfach. Mittlerweile flutscht es richtig gut bei uns.

 

Wie soll es für upTrulli weitergehen?

Wir haben ein Grundstück in Aussicht für den ersten Trulli. Kunden sollen sich diesen ansehen – vielleicht sogar testbewohnen können. Das erste Bankgespräch für die Finanzierung lief schon.

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